WO BIN ICH?

Schiedsrichter sind Sportkameraden 

Jeder, der ein Interesse am Fußballspielen hat, kennt ihn. Selten sind alle mit ihm zufrieden – manchmal wird er sogar für eine Niederlage verantwortlich gemacht. Dennoch weiß jeder, dass es ohne ihn eigentlich nicht geht, da er im Fußballsport eine wichtige und zentrale Aufgabe wahrnimmt. Es geht natürlich um die Aufgabe des Schiedsrichters. Im NFV Kreis Cuxhaven sind für die laufenden Saison 217 Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen als aktiv gemeldet. Die Zahl der weiblichen Schiedsrichter nimmt erfreulicherweise nach intensivem Werben seit geraumer Zeit zu. Die zentrale Aufgabe des Schiedsrichters ist es, den Fußballregeln die notwendige Geltung zu verschaffen. Genau dort ist schon bereits das erste Problem, denn nur wenige der aktiven Spieler und vor allem der Zuschauer wissen, dass zu dieser Aufgabe nicht nur die Kenntnis der 17 Regeln gehört, sondern auch die jeweiligen Anweisungen des DFB und des Verbandes. Beim Durchsetzen der Regeln ist der jeweilige Schiedsrichter somit an festgeschriebenen und für beide beteiligten Mannschaften gleichen Regeln und deren Auslegung gebunden. Bei der Beurteilung der strittigen Situationen während eines Spiels bleibt dem Schiedsrichter – im Gegensatz zu einem Regeltest – jedoch nur sehr wenig Zeit (Bruchteil von Sekunden). Bei diesem geringen Zeitlimit ist es doch nur verständlich, dass es auch zu Fehlern beim Beurteilen von Situationen kommen kann. Nichtsdestotrotz haben wir im NFV Kreis Cuxhaven sowie im NFV Bezirk Lüneburg eine große Anzahl von Schiedsrichtern, die Woche für Woche gute Leistungen abliefern. Aber auch diese Schiedsrichter sind Menschen, die Fehler machen dürfen und nicht wie Maschinen jede Woche Spitzenleistungen bringen. Ich möchte an dieser Stelle vor allem um Verständnis bitten, wenn der Schiedsrichter einen etwas schlechteren Tag erwischt hat und Fehler macht – nur möchte ich in diesem Zusammenhang auch deutlich machen, dass es niemals Vorsatz sein kann, denn was hat der Schiedsrichter davon, wenn Mannschaft A und nicht Mannschaft B gewinnt ? Gar nichts!

 

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Immer auf Ball- und Augenhöhe. Der Schiedsrichter ist auch Sportkamerad. 

Für einen Schiedsrichter ist es im Übrigen ebenso wie für die Mannschaften von elementarer Bedeutung, „richtig ins Spiel zukommen“ und das nach Möglichkeit sofort; denn die ersten zwei, drei Entscheidungen sind für die Wirkung und Durchsetzung der Entscheidungen von großer Bedeutung. Sollte der Schiedsrichter nicht „ins Spiel kommen“, bringt er womöglich nur eine durchschnittliche Leistung – und das ärgert ihn genauso wie die Spieler. Jeder der Schiedsrichter ist motiviert und ärgert sich über Fehler genauso wie die Spieler, wenn sie ein leeres Tor nicht treffen oder den besser postierten Mitspieler nicht sehen. Aber im Gegensatz zu den Spielern sucht der Schiedsrichter niemals die Schuld bei anderen. Denn wie soll er denn auch die Schuld bei den Spielern suchen? Er kann sie ja schlecht zum Foulen, Beleidigen oder Tore Schießen auffordern. Aber die Spieler suchen meist bei schlechten Leistungen die Schuld bei den Schiedsrichtern. Sie akzeptieren ihre eigenen schlechten Leistungen leider selten. In der Vergangenheit war es denn meistens so, dass man vielleicht ein paar Stunden nach dem Spiel bei einem Bier oder zu Hause bei der Familie über den Schiedsrichter sprach und ihn auch unsachlich beurteilte – nur ist es in letzter Zeit vermehrt vorgekommen, dass einige Vereine bzw. Mannschaften das Internet nutzen, um irgendwelche Unsachlichkeiten in die Welt zu setzen. Sie nutzen das Internet um über die Schiedsrichter ihr (unsachliches) Urteil zu verbreiten. Weiß man wirklich nichts, was der Schiedsrichter falsch gemacht hat, kommt es immer gut an, ihm einfach Arroganz vorzuwerfen. So darf man denn auch mal lesen, dass „Menke der arroganteste Schiedsrichter ist“ oder auch “Die schwarze Sau soll sich hier noch einmal blicken lassen“. Ist das ein Umgang den man im Sport – auch den Schiedsrichtern gegenüber –pflegen sollte? Ich glaube nicht. Vor allem möchte ich mir nicht ausmalen, was passiert, wenn die Schiedsrichter ihre Erfahrungen mit Mannschaften und Vereinen übers Internet publik machen würden. Das ist und wird auch nicht der richtige Weg sein. Vielmehr sollte man auch weiterhin den Dialog suchen. Zudem sollte sich jeder der Beteiligten daher zuerst an die eigene Nase fassen und sich vor Augen führen, dass auch der Schiedsrichter ein Sportkamerad ist. Trotz der gemachten und oben geschilderten Erfahrungen kann ich an dieser Stelle nur nochmals betonen, dass für die Schiedsrichter jedes Spiel bei 0:0 beginnt, können es die Spieler auch sagen, wenn sie mal schlechte Erfahrungen mit einem Schiedsrichter gemacht haben? Lassen sie sich auch manches Mal von den Außenstehenden beeinflussen? Trauen sie sich auch mal, gegen die Mehrheit der Meinungen zu sagen, dass der Schiedsrichter nicht Schuld an der Niederlage ist? Ich kann es hier nicht beurteilen, denn dafür habe ich zu kurz die Fußballschuhe als Spieler geschnürt. Aber ich würde es mir sehr wünschen, wenn der Schiedsrichter das eine oder andere Mal ein wenig mehr Unterstützung aus Reihen der Spieler bekommen würde. 

Abschließend werbe ich nochmals für ein besseres Miteinander unter den Sportlern und Zuschauern. Denn beide Seiten der Medaille gehören zum Fußball dazu. Nicht jeder Schiedsrichter ist deshalb schon arrogant oder provokant nur weil er den Regeln und den Anweisungen des DFB und NFV Geltung verschafft. Nein, der Schiedsrichter ist Sportkamerad und auch sicherlich gerne bereit nach dem Spiel in ruhigen Ton die eine oder andere Frage/Entscheidung zu erklären.

 

Den Mannschaften des FC Land Wursten wünsche ich für die Rückrunde der laufenden Saison auch weiterhin viel Erfolg und Punkte sowie die „richtigen“ Schiedsrichter.

 

 

Euer

Lüder Menke, KSO

Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses

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